Eine Einführung in zwei Prinzipien aus der Yogaphilosophie: Abhyāsa und Vairāgya
- Gabriela Vanin
- 1. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Im Yoga tauchen oft zwei zentrale Begriffe auf: Abhyāsa und Vairāgya.
Man kann sie sich wie zwei Flügel vorstellen, die uns im Gleichgewicht halten.
Abhyāsa heißt: üben. Immer wieder, regelmäßig, mit Hingabe.
Vairāgya bedeutet: loslassen. Nicht am Ergebnis festhalten, sondern mit Gelassenheit und Offenheit üben.
Das ergänzt das Prinzip, das Patanjali in einem anderen Sutra beschreibt: sthira sukham āsanam.
Eine Haltung soll stabil (sthira) und zugleich leicht (sukha) sein.
Man könnte sagen:
Abhyāsa entspricht der Stabilität – dem Dranbleiben.
Vairāgya entspricht der Leichtigkeit – dem inneren Loslassen.
Beides zusammen schenkt uns Balance – auf der Yogamatte wie im Alltag. Denn nur mit Stabilität ohne Leichtigkeitwird es verkrampft, und nur mit Leichtigkeit ohne Stabilität wird es haltlos.
Yoga zeigt uns den Weg dazwischen: üben mit Beständigkeit – und gleichzeitig mit Gelassenheit leben.
👉 Sthira = Stabilität, Festigkeit, Ausrichtung
👉 Sukha = Leichtigkeit, Weite, Wohlgefühl
Diese Begriffe stammen ebenfalls aus den Yoga-Sūtra (II.46: sthira sukham āsanam – „die Haltung soll stabil und zugleich leicht sein“).
Wenn man das mit Abhyāsa und Vairāgya verbindet, entsteht ein rundes Bild:
Abhyāsa ist wie sthira: die beständige, stabile Ausrichtung und Übung.
Vairāgya ist wie sukha: das Loslassen, die Weichheit, das Nicht-Verkrampfen.
So wird deutlich:
Nur Stabilität ohne Leichtigkeit → führt zu Härte, Druck, Anspannung.
Nur Leichtigkeit ohne Stabilität → führt zu Nachlässigkeit, Haltlosigkeit.
Yoga lädt uns ein, beide Pole gleichzeitig zu kultivieren: Üben mit Verlässlichkeit (Abhyāsa, Sthira), und gleichzeitig mit Gelassenheit und Freude (Vairāgya, Sukha).
Yoga ist ein Weg zwischen Dranbleiben und Lockerlassen.
🌿 Mini-Übung für den Alltag: Stabilität & Leichtigkeit verbinden
Setz dich bequem hin, richte deine Wirbelsäule auf. Fühle den Kontakt zum Boden – das ist deine Stabilität (sthira).
Atme bewusst ein und stell dir vor, wie du Kraft und Ausrichtung sammelst – das ist dein Abhyāsa, deine Übung.
Atme langsam aus und lass Schultern, Gesicht und Gedanken weicher werden – das ist dein Vairāgya, dein Loslassen, deine Leichtigkeit (sukha).
Wiederhole das für ein bis zwei Minuten: Einatmen = Stabilität, Ausatmen = Leichtigkeit.
✨ Diese kleine Praxis kannst du überall üben – am Schreibtisch, in der Bahn, oder abends, bevor du ins Bett gehst.
Sie erinnert dich daran: Yoga geschieht genau im Zusammenspiel von Dranbleiben und Lockerlassen.



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